Auszug aus der Eröffnungsrede

Die expressiven Realisten, eine Generation von Malern, die überwiegend um 1900 geboren war, ihre Art, sich auszudrücken, sie basierte auf den Erkenntnissen der Moderne, zumeist jedoch auf den Stilmitteln der frühen Expressionisten. Doch schon ab 1925, als diese bahnbrechende Kunstform  wieder am Abklingen war und die neue Sachlichkeit, aber auch der Dadaismus und der Surrealismus stark an Bedeutung gewannen, konsolidierte sich eine neue und „parallele Malerei“. Sie war vom Gefühl und der Seele her kommend, expressiv und farbenfroh und kuluminierte in einer annähernd realistischen Figuration und Körperlichkeit.

Expressiv-reale Kunst, aber auch die zweite Generation der Expressionisten, Maler wie E. Hassebrauk, H. Strempel, F. S. Pfefferkorn, C. Crodel, F. Tennigkeit oder auch C. Rabus, sie alle durchliefen eine Vielzahl von Krisen und Kriegen im frühen 20. Jahrhundert. Ein großer Teil dieser gegenständlich arbeitenden Künstler wurde zwischen 1933 und 1945 von den Nationalsozialisten durch Krieg und Gefangenschaft ins Abseits gedrängt und auch durch Verfolgung ihrer bürgerlichen Existenzgrundlage beraubt. Nach dem 2. Weltkrieg wurden sie dazu noch verfemt und ausgegrenzt. Die westliche Welt bevorzugte abstrakte, beziehungsweise informelle Ausdrucksformen, und die Ostblockländer etablierten den sozialistischen Realismus als Staatsdoktrin.

Expressiv-realistisch arbeitende Künstler wurden in der Nachkriegszeit bis zum Ende des 20. Jahrhunderts kaum mehr wahrgenommen - was sie zu einer „verschollenen Generation“ werden ließ. Erst der Journalist und Kunsthistoriker Rainer Zimmermann erkannte in den frühen 1980er Jahren ihr großartiges Potential. In der gleichen Zeit erlebte in Berlin, Köln,  München und Italien eine neo-expressive Kunst  ihren internationalen Durchbruch und dem Zeitgeist entsprechend erfuhren auch die „expressiven Realisten“ eine späte Rehabilitation und Wertschätzung. (Müste der kritische Realismus als Bruder des sozialistischen Realismus nicht genauso  neu bewertet werden?)

 Wir freuen uns sehr, Ihnen einige Positionen der „verschollenen Generation“ auszustellen und anbieten zu können. Teils recht seltene Gemälde, die lange schon nicht  mehr am Markt verfügbar waren. Wir danken so auch unseren Leihgebern, danken für das Vertrauen in unsere Galeriearbeit  und laden Sie ganz herzlich ein in die Galerie gkag.

 

Text P. M. Dinter 3/018

 

 

 


 

Die Galerie Kunst am Gendarmenmarkt,

 

gelegen im Hilton Hotel am Gendarmenmarkt (Mohrenstr. 30..., Eingang über Markgrafenstr.), zeigt Positionen zeitgenössischer Kunst aus den Bereichen Malerei und Graphik, Skulptur und Mixed Media, konterkariert mit Retrospektiven aus dem 20. Jahrhundert und bietet in ihren Geschäftsräumen eine ständige Auswahl an aktueller Künstlergraphik - auch mit Arbeiten aus der Moderne und der klassischen Moderne.

 

Wie alle Unternehmen benötigt auch eine Galerie neben der Liebe zur Kunst und einem feinen Gespür für den Markt ein Ziel und eine Strategie. Sie braucht die richtigen, mal auch ungeliebte Auswahlkriterien, entstanden und  gewachsen aus einem großen kulturellen Fundus, auch um sicherzustellen, das hochwertige Kunst im Fokus bleibt. Contenance und Ausdauer bei einer erfolgreichen Vermarktung von zeitgenössischer Kunst sind genauso wichtig wie ein enger Kontakt zu den Künstlern, den Sammlern, zu anderen Galerien und Messeveranstaltern.

 

Trotz aller Erfahrungen im Kunstgeschäft, die bis in die frühen 1980er Jahre zurückgeht, bleiben wir bei unserer künstlerischen Auswahl immer auch offen, scharfäugig und hellhörig, sind weniger an einem kurzlebigen Trend orientiert und legen großen Wert auf Qualität, Verve und Wiedererkennung. Gut gemachte und spannende Kunst befindet sich in einem Prozess. Sie zerlegt und synthetisiert die Stimmungen und Farben der Zeit, sie erfreut und bewegt, mischt sich ein und subjektiviert, sie hat die richtige Balance zwischen Gefühl und Verstand, sie setzt neu zusammen, schöpft aus sich selbst und erkennt - um dann auch spielend einen Schritt vorauszugehen.

 

PM D 11/017