Expressiver Realismus

Verfehmte Kunst im  20. Jahrhundert

Ausstellung vom 6.4. 2018 bis zum 22.5. 2018

 

Achtung,

Ausstellungsverlängerung,

noch bis zum 29.5.2018

 

Eine Retrospektive

mit den Malern Charles Crodel, Carl Rabus, Erich Fraaß, Vera Singer, Adolf Klingshirn, Ulrich Knispel, Arthur Degner, Ottwil Sieberg, Else Möckel, Fritz Tennigkeit, Ilse Block-Quast und Josef Steiner

 

Lesen sie zur Ausstellung auch den am 5.5.018 erschienen Pressartikel - vorliegend in Orner "Presse"

 

 

Auszug aus der Rede zur Eröffnung

Die expressiven Realisten, eine Generation von Malern, die überwiegend um 1900 geboren war, ihre Art, sich auszudrücken, sie basierte auf den Erkenntnissen der Moderne, zumeist jedoch auf den Stilmitteln der frühen Expressionisten. Doch schon ab 1925, als diese bahnbrechende Kunstform  wieder am Abklingen war und die neue Sachlichkeit, aber auch der Dadaismus und der Surrealismus stark an Bedeutung gewannen, konsolidierte sich eine neue und „parallele Malerei“. Sie war vom Gefühl und der Seele her kommend, expressiv und farbenfroh und kuluminierte in einer annähernd realistischen Figuration und Körperlichkeit.

Expressiv-reale Kunst, aber auch die zweite Generation der Expressionisten, Maler wie E. Hassebrauk, H. Strempel, F. S. Pfefferkorn, C. Crodel, F. Tennigkeit oder auch C. Rabus, sie alle durchliefen eine Vielzahl von Krisen und Kriegen im frühen 20. Jahrhundert. Ein großer Teil dieser gegenständlich arbeitenden Künstler wurde zwischen 1933 und 1945 von den Nationalsozialisten durch Krieg und Gefangenschaft ins Abseits gedrängt und auch durch Verfolgung ihrer bürgerlichen Existenzgrundlage beraubt. Nach dem 2. Weltkrieg wurden sie dazu noch verfemt und ausgegrenzt. Die westliche Welt bevorzugte abstrakte, beziehungsweise informelle Ausdrucksformen, und die Ostblockländer etablierten den sozialistischen Realismus als Staatsdoktrin.

Expressiv-realistisch arbeitende Künstler wurden in der Nachkriegszeit bis zum Ende des 20. Jahrhunderts kaum mehr wahrgenommen - was sie zu einer „verschollenen Generation“ werden ließ. Erst der Journalist und Kunsthistoriker Rainer Zimmermann erkannte in den frühen 1980er Jahren ihr großartiges Potential. In der gleichen Zeit erlebte in Berlin, Köln,  München und Italien eine neo-expressive Kunst  ihren internationalen Durchbruch und dem Zeitgeist entsprechend erfuhren auch die „expressiven Realisten“ eine späte Rehabilitation und Wertschätzung. (Müste der kritische Realismus als Bruder des sozialistischen Realismus nicht genauso  neu bewertet werden?)

Wir freuen uns sehr, Ihnen einige Positionen der „verschollenen Generation“ auszustellen und  anbieten zu können. Teils recht seltene Gemälde, die lange schon nicht  mehr am Markt verfügbar waren.Wir danken so auch unseren Leihgebern, danken für das Vertrauen in unsere Galeriearbeit  und laden Sie ganz herzlich ein in die Galerie gkag.                                                                                      

 

Text von Peter Michael Dinter